Salomos Weisheit

Die biblischen Schriften bestätigen Salomo, den König, als einen Weisen, als den wohl weisesten Weisen aller Zeiten. Er hat wunderbare Bücher geschrieben, unanfechtbare Urteile gefällt, glücklich regiert und so weiter. Aber diese ungeheure Akkumulation von Gold und Silber, dieser massive Edelmetallthron, diese unzähligen Pferde, Wagen und Frauen – war das denn wirklich nötig? Wie steht das zu der Weisheit, die auch wir ihm zuerkennen?
Oder anders gefragt: was ist das für eine Weisheit, die nicht in Skrupel gerät bei einem solchen Überfluss und Überschuss an Besitz?
Weisheit steht in Korrelation zu historischen Umständen und Verhältnissen. Sie ist vielleicht abhängig von solchen geschichtlichen Gegebenheiten. Heute würde man Salomo vermutlich als Prasser und Prahler bezeichnen. Der geistreiche Autor und begnadete Politiker geriete in unseren Tagen wegen seiner Geltungssucht und aufwändigen Repräsentation in die Kritik.
So kann und darf sich heute keiner aufführen, und schon gar nicht ein Weiser.
Das ist kein Einwand gegen Salomo und auch keiner gegen die Idee konkreter Weisheit. Aber es zeigt, dass Weisheit kein Gut ‚an sich‘ ist, sondern in jedem Punkt der Zeit sich neu der Prüfung und Bewährung aussetzen muss.
Die Schwierigkeit liegt allerdings darin, dass nur die wirklich Weisen imstande sind, solch eine Prüfung durchzuführen und durchzustehen. Sie fallen durch, wenn sie sich nicht zugleich als Prüfer und als Prüflinge bewähren.

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