Lob und Tadel

Zwietracht und Streit geben für Empedokles die Entstehung und das Werden aller Dinge ab. Anders Canetti: „Durch Lob entstehen die Dinge …“. Lob bestätigt sie nicht erst, sondern bringt sie zu Stande. So darf das Eigenlob des Schöpfers nicht unterschätzt werde: „Elohim sah, dass es gut war“. Hätte Gott sein Werk nicht so gesehen, sondern als tadelnswert, es wäre im Nu ins Nichts vergangen. Loben hat zumindest Hebammenfunktion und gibt dem frisch Geborenen als erstes die Brust.
Allerdings: gäbe es kein Lob, gäbe es auch keinen Tadel. Dann wäre Abel am Leben geblieben und Kain nicht zum Mörder seines Bruders geworden. Insofern haben beide recht, Empedokles und Canetti: „(Durch Lob entstehen die Dinge) und vergehen in Flüchen.“
Erschaffendes Lob und vernichtender Tadel halten sich in unsrer Welt die Waage. Wäre das nicht der Fall, würde sie besser – oder auch schlechter – aussehen, als es der Fall ist.

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