zählen und nennen

zählen = mit einer Zahl versehen;
nennen = mit einem Namen ausstatten.
Der biblische Schöpfungsbericht erzählt, dass dem Adam, ehe die Frau aus seiner Seite hervorging, alle Tiere vorgeführt wurden, damit er ein jedes benenne.
Vermutlich eine lange Prozedur.
Adam musste sich immer neue Worte ausdenken. Jedes erfundene Wort musste zu dem betreffenden Lebewesen passen, als Namen. Kein Wort sollte daher mehrmals vorkommen.

Was für ein endloses Projekt! Darüber ist Adam eingeschlafen, vor Erschöpfung in einen Schlaf versunken, der so tief und betäubend war, dass der Schöpfer in aller Ruhe und Stille aus der einen Seite des Mannes – es war seine andere Seite – die Frau herausarbeiten konnte.

Dieses Namengeben – was für ein Unterfangen! Noch heute findet man kein Ende damit.
Es geht unentwegt fort. Im Amazonasgebiet, auf Neu-Guinea werden blaue Leguane entdeckt, orangefarbene Schnecken, selbstleuchtende Käfer, Fische mit Gesichtern, die wie Hammer und Amboss aussehen. Unterm Elektronenmikroskop tummeln sich mutierende Viren. Auch sie brauchen ihren Namen, meistens ein künstliches Griechisch, rapide verkürzt, wie EHEC zum Beispiel.

Ein Mathematiker hat neuerdings den Vorschlag gemacht, die Zahl pi zu verdoppeln und in tau umzubenennen.

Das Zählen hat offenbar später begonnen.
Jedenfalls unter Menschen.
Der Schöpfergeist hingegen hat schon im Anfang gezählt.
Es hat mit den Tagen begonnen: erster Tag, zweiter Tag usw.
Keine Schöpfung kann auf Zahlenkräfte verzichten.

Unter Menschen ist aus dem Zählen bald ein Nummerieren geworden.
Aus praktischen Erwägungen heraus hat man die Zahlen ausgepresst und entkernt.
Jetzt sind sie so rein und neutral, dass sie sich überall anheften lassen.

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