gut geraten

Die erste Frage, die ein Rater sich vorzulegen hat:
wer bin ich, dass ich raten kann?
Stünde es nicht als Empfehlung, als lästige Empfehlung geschrieben:
der nehme sein Kreuz auf sich –
wer würde so etwas anderen raten?
Keine gute Meinung kann Bitteres versüßen.
Zweifel, ob stauros, der Pfahl, den sich jemand aufladen soll,
wirklich ein Kreuz ist.
Das Bild: es gehen alle, es geht jeder seinen Weg zum eigenen Tod hin.
Pfahlwege, Kreuzwege.
Da ist nichts dran zu machen.
Lohnt es, jetzt schon ins Bewusstsein zu bringen, woran man hängen und sterben wird?
Der zu schulternde Pfahl – in vielen Fällen das Unvermögen, eine Mischung aus Schwäche und Angst, ihn – den Pfahl – wirklich zu schultern.
Mein Kreuz: außer Stande zu sein, dies Kreuz auf mich zu nehmen
Auf sich nehmen sollen, wovon man eigentlich freikommen möchte.
Wenn das so ist, steckt in diesem Ding, in diesem Rat oder Auftrag, Unmut, Ängste und Schwächen auf sich zu nehmen, ein paradoxer, ein gegenläufiger Sinn: er läuft dir entgegen und trifft dich womöglich ins Herz, in den schwächsten und wundesten Punkt.

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