Demut und Demütigungen

In seiner Schrift „Der Palmbaum der Deborah“ betont Moses Cordovero den basalen Status der Demut.* In ihr sind alle Eigenschaften, aus denen sich Gott-Ebenbildlichkeit aufbaut, enthalten, wie in einer Walnuss der Baum.
Von daher wird verständlich warum Demütigung, also die gewaltsame, gegen den freien Willen einer Person verfügte Herabsetzung deren tiefste Erniedrigung darstellt.
Wer einen Mitmenschen beschämt und erröten macht, lautet ein rabbinisches Diktum, ist wie jemand, der  Blut vergießt.
Versuche, Demut, diese Anlage zur Gottähnlichkeit, durch Demütigungen aller Art, außer Kraft zu setzen oder gewaltsam zu zerstören, ziehen sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte.
Derartige Anschläge und Versuche der Erniedrigung erreichen in den Juden- und Minderheitenverfolgungen aller Zeiten, der vergangenen wie der künftigen, immer neue Höhepunkte. Als ginge es tatsächlich um die Tilgung eines meta-physischen Kerns, oder darum, durch eine Art gewaltsam passivierender Simulation auszuradieren, was in uns gegen alle Formen von Gewalt und Bemächtigung spricht und sich aufbäumt.

*) R. Moses Cordovero, The Palm Tree of Deborah, ed. Louis Jacobs, New York: Sepher-Hermon Press 1974/1981, p. 70

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