die Barocken

In der Erzeugung eines völlig künstlich hergestellten Sublimen haben es die Barocken zu einer erstaunlichen Leiden- und Meisterschaft gebracht.
Noch heute bewundert man ihre Alleen, die sich in endlosen Parallelismen verlieren.
Geistig arbeiteten sie mit der Null, als wär’s eine Kugel im Boule oder im geläufigen Spiel mit neun Kegeln.
Einem von ihnen, weiland Bürgermeister in Magdeburg, gelang erstmals die Produktion und der Nachweis real existierender Leere. Dies geschah mit Hilfe voluminöser Halbkugelschalen aus Kupfer und einigen kräftigen Zugpferdgespannen.
Die Frauen trugen damals gewaltige Reifröcke und darunter Krinolinen aus Fischbein.
Auch Perücken waren in Mode und konnten wie Zylinder auf und ab gesetzt werden.
Die Damen der damaligen Zeit wurden von den Bildhauern am liebsten unbekleidet im Stein wiedererschaffen.

 

Ihre Nacktheit entspricht sehr schön der Glätte des Marmors und der rauen Haut des Gipses, die unter einer leicht darüber streichenden Hand zu spüren ist.
Sie haben damals Stoffe und Antimaterien gekannt, die sie mühelos zwischen Zeigefinger und Daumen handhabten. Heute erscheinen uns diese Dinge unter der Gestalt irgendwelcher schäbiger Klumpen und unansehnlich wie Taubenschiss.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu die Barocken

  1. sylvia sagt:

    und das reisen war sehr beschwerlich.. die zarten hinterteile unter den samtseidigen kleidern und röcken waren oft blaubeerfarben getupft von dem ständigen kutschengeratter durch die schlaglöcher der unbefestigten straßen. einer der großen geister jener zeit erfand sich deshalb einen gefederten reisestuhl – und das war lang noch nicht alles. frau sophie hat sich gern mit ihm unterhalten und manchmal wünschte ich, ich könnte das auch. doch nur noch seine knochen oder ein paar reste davon (und niemand weiss, obs wirklich die seinen sind) – sie lagern in einem blauen kistchen in der kirche st. johannis in der calenberger neustadt unter einer steinplatte mit der inschrift „ossa leibnitii“ … ich stelle mir manchmal vor wie es wäre, mit ihm über die heutigen zeiten zu plaudern und träume unter den wasserschleiern der großen fontäne davon, mit ihm und der kurfürstin durch die gärten zu spazieren…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.