statt Lösung Erlösung

„Ich wandle unter Menschen als unter Bruchstücken der Zukunft“, schreibt Nietzsche in einem autobiographischen Tagebuch. Denn das sind wir auch, herausgebrochen aus einer Zukunft, die in uns selbst unentwegt ansteht wie eine Klagemauer, wie ein Urgestein.
„Und wie ertrüge ich es, Mensch zu sein“, fährt Nietzsche fort, „wenn der Mensch nicht auch Dichter und Rätselrater und Erlöser des Zufalls wäre?“
Rätselrater als Erlöser, Rätselraten als ein Erlösungsweg – das ist ein neuer und großer Ton, den Nietzsche hier anschlägt. Als Künstler meinen wir, es sind die Künste, die ihn einschlagen, diesen Weg, auf dem die Rätsel der Welt, der Dunkelheit und des Lichts, die Rätsel des Zorns wie die des Begehrens gelöst werden. Und nicht zuletzt die Rätsel des Zufalls, die Geschichte schreiben und sich als Schicksal behaupten.
Es löst sich nicht auf, dieses Zufällige, diese Rätsel des Zufalls. Auch wenn wir’s manchmal gerne so hätten: sie lösen sich auch nicht in Nichts auf.  Aber wo sie erlöst werden, geben sie eine Freiheit frei, an die niemand gedacht hat, von der wir vorher kaum mehr hatten als blassen Schimmer und Abglanz.

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