zwischen Skizze und Druck

Sie laufen zwischen Skizze und Druck. Bleiben zwischendurch stehen oder verlieren sich,
in eine Art Gespräch oder in Wechselspiele. Andere bleiben auf sich selbst sitzen. Dann gibt es Druck von allen Seiten. Auf diese Weise werden sie überschichtet, die Blätter, oder lasiert. Die Lasur liegt über der Skizze, die Skizze liegt unter dieser neu gebildeten Oberfläche.

Sie haben es nicht eilig im Laufen. Manche liegen Wochen, Monate oder noch länger.
Man könnte meinen, sie ruhen aus. Aber in Wahrheit denken sie nach. Damit bringen sie die meiste Zeit zu, mit einem relativ gleichförmigen Brüten. Denn dieses Nachsinnen, wahrscheinlich über sich selbst – wer würde oder könnte es ihnen abnehmen?

Manchmal sind es Akte, Entronnene oder Entflohene; seltener Tiere, die als solche meist nicht zu erkennen sind. Dinge ebenfalls. Auch sie bleiben unterhalb der Schwelle der Erkennbarkeit. Ihr Sitzen, ihr Liegen, ihr Stehen macht sie begreiflicherweise weniger aus als ihr Laufen. Das eben ist ihre zentrale Aktion und Eigenschaft: zu laufen und – reflexiv gewendet – sich zu verlaufen dabei. Als wollten sie bekräftigen, dass diese Räume und Gebiete, ungebotene Gebiete übrigens und ungeräumte Räume, ebenso oft verlassen wie überbevölkert, dass sie (und wir mit ihnen) umgehen in einer Mischung oder Verschränkung von Irre und Gärten.
Die Kanäle fließen blau mit lebendig dahinflitzenden Fischen. Am Himmel rudern Vögel in allen Größen und Schattierungen Aber natürlich sind die Fische irgendwelche künstlichen Entladungen, Funken oder Impulse. Auch die Vögel sind formatierte Botschaften, Dateien, Airlines. Die Kanäle führen irgendwelche Energien und lenken Wellen und Strahlungen in fernste Bereiche und aus fernsten und entlegensten Regionen in unmittelbare Nähe und Nachbarschaft. Daher zucken einige von ihnen mit den Beinen, wie die Froschschenkel im galvanischen Experiment. Aber so gewinnen sie in gewisser Hinsicht ihre Leiber wieder, von denen sie abgetrennt schienen. Und das Laufen verleiht ihrem zurückgewonnenen oder eigentlich erst erhaltenen Leben einen lebhaften, mitunter auch skeptische Betrachter überzeugenden Ausdruck.

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