Saumsal

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Saum und säumen gehören zu den Rätselworten.

Ein Tag hat seinen Saum morgens und abends im Horizont, meist rötlich, orange oder gelb.

Eine Nacht natürlich auch, aber weniger farbig, weniger sichtbar.

Ein Saum ist ein umgebogener Rand, eine Kante, aber auch eine Naht, also Grenz- und Verbindungselement zugleich. Das macht das Säumen, eine Art untätiges Tun, zu einer so sonderbaren, ja prekären Angelegenheit.

In jeder Saumseligkeit, als einer Verlangsamung des Lebenstempos, treten Achtsamkeit und Bedachtsamkeit zusammen, um es mit den eingefleischten Neigungen zu Trägheit und Nachlässigkeit aufzunehmen.

Vielleicht ist versäumen so viel wie „am (Weg-)Rand (ungenutzt) liegen lassen“.

Für ein nutzenorientiertes und zielgerichtetes Bewusstsein gehört Säumigkeit zu den unguten Zerstreuungen, Schwächungen, Unzweckmäßigkeiten.
„The seamy side of the World Wide Web“, gibt das Longman Dictionary of Contemporary English zu bedenken. In freier Übersetzung: die zerfranste, die liederliche Seite des Internet.

Für andere enthüllt das Säumen einen möglicherweise unerwarteten Fund: der Gang am Rande entlang, auf Grenzen und Graten, eröffnet unerwartete Aussichten und unverstellte Fernblicke.

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