Lebensmittel

Nahrungsmittel laufen aus und werden durch andere ersetzt.

So genannte natürliche durch so genannte künstliche; handgemachte, handgerührte, handverlesene usw. durch maschinell verfertigte und sortierte. Eine Geschichte der Entstehung von Nahrungsersatzmitteln schreiben, wann und warum sie wie und was substituieren.

„Margarine, ein Ersatzmittel für Butter, früher rundweg Kunstbutter genannt. Die Initiative zur Darstellung dieses Produkts ist von Napoleon III. ausgegangen, welcher 1869 dem Chemiker Mège-Mouriès den Auftrag erteilte, zu untersuchen, ob es möglich sei, eine Butter zu bereiten, die wohlschmeckend, nahrhaft, unschädlich, dauerhaft, aber billiger sei als die natürliche Butter. Das Ergebnis dieses Auftrags ist die Entstehung eines neuen Industriezweigs geworden. Als Rohmaterial dient dazu das Fett von Rindern, welches den Fabriken zugeführt und hier zuerst durch Waschen in Wasser von 17° von allem anhängenden Blut, Schleim und dgl. befreit wird …“[1]

Dieses Produkt erhielt in Nordamerika den Namen Butterine,  wurde in Deutschland unter verschiedenen Bezeichnungen verzehrt, Sparbutter, Marienbutter u.a.m. Sie bildete einen wichtigen Bestandteil in Ururgroßomas Küche.

Um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert machte sich ein gewisser Enthusiasmus an dieser Neuerung fest.

Jedenfalls betont das sonst eher sachlich darstellende Volksbildungswerk Brockhaus in einem ungewöhnlich ausführlichen Artikel „Margarine„, es könne „vom hygienischen Standpunkte nur gewünscht werden, dass sich die M. als Volksnahrungsmittel immer mehr einbürgere.“

Im ergänzenden Artikel „Kunstbutter“ wird hingewiesen, dass die erste Margarinefabrik 1871 in Paris gegründet worden sei, dass es aber jetzt – also in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts – „fast in allen Ländern  Kunstbutterfabriken“ gäbe. „Am großartigsten wird die Fabrikation in den Vereinigten Staaten betrieben, wo 1888 schon 37 Fabriken bestanden. In Deutschland bestehen gegen 45 Fabriken dieser Art, von denen eine (in Ottensen) allein jährlich 3 ½  Mill. kg ihrer Erzeugnisse in den Handel bringt. Die Gesamtproduktion in Deutschland ist nicht bestimmt ermittelt. Von den Fabrikanten wurde sie 1896 auf etwa 100 Mill. kg angegeben.“

Dieser Taxierung von Seiten der Industrie stand die begreiflicherweise völlig andere Schätzung der landwirtschaftlichen Verbände entgegen: „in landwirtschaftlichen Kreisen wird sie dagegen etwa auf das Zehnfache geschätzt.“[2]

Beim Gang durch die Käseabteilung eines Supermarkts fragt sich ein Kunde, besteht dieser Käse wirklich aus Käse? Und dies zu Recht. Denn schon im Ausklang des neunzehnten Jahrhunderts kannte man „Margarinekäse, ein mit Abfällen der Margarinezubereitung erzeugter Kunstkäse“, hhhmmm lecker, und schon vor 120 Jahren im Angebot!

Auf eine Schnitte mit guter Kunstbutter gehört dick gestrichener Kunsthonig.

Dazu an späterer Stelle.



[1] Brockhaus‘ Konversations=Lexikon, Leipzig, Berlin und Wien 1898, 11.Bd., 586

[2] Brockhaus‘ Konversations=Lexikon, Leipzig, Berlin und Wien 1898, 10. Bd., 802

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