Rätsel raten

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Mit Schatten gehen Maler und Metaphysiker um. Sie malen und besinnen das, was ihnen an Schatten und aus Schatten zufliegt, zugeworfen wird oder zufällt.

Ihre Leinwände, Papiere, Bildschirme und Schriften übernehmen die Funktionen von Gittern und Sieben. So fangen sie ihn ein, jenen flüchtig über Schwellen und Schnittstellen fallenden Glanz.

 

„Aus Schatten wird man klug“, heißt es. Aber wie oft müht man sich umsonst, Gemeintes zu verstehen und bleibt dabei wirr und obskur, blind für das Fallen und Steigen all dessen, das durch Fenster und Augen geht, von irgendeinem Reflex oder vermeintlichen Anschein geblendet.

 

„Es geht übers Wasser und wird doch nicht nass, doch schon ein Blinken bringt’s zum Verschwinden.“

Oder: „Es hat das ganze Haus meiner Mutter ausgefüllt und ich nehme davon in die geschlossene Hand“, verrät ein arabisches Rätsel.

Sowie: „Es ist schwarz wie die Nacht und macht auf dem Boden Sprünge wie ein Wildschwein“.

Die Sinti sagen: „Es fällt und zerbricht nicht, es läuft und läuft nicht weg, sehnt sich nach Sonne und sieht sie doch nie.

Und noch eines: „Eine schwarze Kuh: sie isst nichts, sie trinkt nichts und ernährt doch das ganze Land.“

 

All dieses und das stachelnde Paradox des Schattenwesens selbst findet sich im Straßburger Rätselbuch (um 1500) eingefangen:

„Rat: Etwas ist nichts, und nichts ist etwas; so nun nichts etwas ist, so muss etwas nichts sein.“[1]



[1] zitiert aus „Rat zu, was ist das“ – Rätsel und Scherzfragen aus fünf Jahrhunderten, Hg. Ulrich Bentzien, Rostock 1982, Rätsel Nr. 59. Antwort: „Der Schatte von der Sonnen oder Lichts ist ein Schein eins Dings und doch an ihm selbst nichts.“

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