das Bagelrätsel

Dem Bejgel- oder Bagelrätsel begegnet.

Wenn Sie das Rätsel nicht kennen, dann gewiss den Kringel, den die Bagelbäckerei oder die Bagelfactory um die Ecke verkauft.

Donuts sind gezuckert, in Öl gebacken, mit einem Guss aus Schokolade versehen oder mit Fettglasur lasiert, aber Bagel sind meistens salzig und pur.

Sie schmecken gut, aber reizen nicht jeden zum Kauf. Manche Bagelläden in unserer Gegend haben schwer zu kämpfen. Doch eben dort wird das Bagelrätsel stündlich praktiziert.

Ein unscheinbares Welträtsel wird daselbst Tag für Tag und Nacht für Nacht seiner Lösung zugetragen, in unser aller Wirklichkeit umgesetzt.

Aber weiß man das dort oder weiß man es nicht?

Kennt man die Antwort hier oder kennt man sie nicht?

Lasst uns das prüfen:

Wi macht men a bejgel?

Das ist altjiddisch und hier zu Lande nicht sofort zu erkennen.

Es fragt: „wie macht man ein‘ Bagel?“

Ein Bagel wächst nicht an Bäumen, versteht sich von selbst, dass er gemacht werden muss.

Aber wie macht man solch ein Gebäck von ringförmiger Form?

Man knetet es, sagen die einen.

Man wringt den Teig wie ein Tuch und legt ihn dann aus.

Man macht einen Teigstrang, schneidet diesen in passende Stücke und fügt die Enden derselben zusammen.

Aus einem Teigstrang, der lang genug aus der Knetmaschine hervorläuft, können pro Tag gut und gerne zehntausend Bagel hergestellt werden, oder noch mehr.

Richtig.

Sie haben das richtig gesehen und korrekt geantwortet auf die Frage:

„wi macht men a beigel?“

Aus Ihrer Sicht.

Aber ein Bagel oder Bejgel ist ganz einfach noch mehr,

nein, ist weniger infolge des hohlen Raums in der Mitte, von dem die Kringelform abhängt.

Der wahre Bagel empfängt aus dieser hohlen Mitte, die er umringt, seine wesentliche und wahre Gestalt. Sonst wär’ er kein Bagel.

Wie also macht Mann oder Frau einen Bagel?

Um Mann oder Frau nicht zu sehr auf die Folter zu spannen:

Me nemt a loch un me lejgt em arum mit tejg.” *

Aber wo ein Loch in der Bagelbackstube hernehmen?

Hängen die etwa an der Wand oder lassen sie sich aus der Schublade ziehen?

Wo findet man Löcher, die zu einem Bagel so herhalten, dass er danach problemlos zum Backen in den Ofen geschoben werden kann, wunschgemäß abkühlt und gerne gekauft wird?

Gibt es überhaupt irgendwo, passend für den Teigkringel, Löcher,

genügend groß und ausreichend klein?

Wir haben experimentiert, uns einer zufällig herumliegenden Höhlung bedient und diese zu einem Loch umgebogen. Anfangs gab es Probleme, aber es lag auch am Teig.
Erst war er zu sperrig und ließ sich nicht biegen. Wasser zugesetzt und geknetet,
die Öffnung in der Mitte umkränzt, umschichtet, umdeicht, aber alles zerfloss.
Erneut Mehl zugesetzt, bis der Damm um das Loch herum hielt und dieses zusammen mit dem herumgelegten Teig als Kringel vom Knetbrett aufs Backblech transportiert werden konnte.

Wir haben festgestellt, dass das in der Rätselantwort empfohlene Loch danach immer wieder neu verwendet werden kann. Es liegt in der Luft und kann daraus mühelos gegriffen werden, ist praktisch, muss nicht in den Geschirrspüler, nutzt sich nicht ab, ist unbegrenzt haltbar.
Und vor allem: es gibt dem Bagel keine starre Form, sondern jedes Backwerk, jedes Erzeugnis wird anders. Das liegt vielleicht daran, dass der Bagel seine Gestalt gleichsam von Innen empfängt und sich um dieses schließt wie ein Wellenkreis um einen ins Wasser geworfenen Stein.

 * die Rezeptur ist der Sammlung von Dr. Immanuel Olsvanger aus dem Jahre 1920 entnommen

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