die Kaiserallee

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Aus dem Saupark heraus, von dort, wo das Jagdschloss steht, führt eine schnurgerade Allee in etwa nördlicher Richtung. Sie ist auf beiden Seiten, wie bei Alleen üblich, von Bäumen gesäumt. Bei der Kaiserallee sind es Kastanien. Sonderbarerweise keine Eichen, sondern Kastanien, vielleicht weil die Früchte, die diese Bäume abwerfen, den Wildschweinen im Saupark besser schmecken als Eicheln, die man sonst als Schweinekost kennt.

Die beidseitigen Kastanien sind teilweise alt und brüchig geworden, umgefallen oder mussten gefällt werden. In einer großen Aktion sind vor einigen Jahren die Lücken ersetzt worden. Nun stehen sie in langen Reihen, sehr alte und ganz junge Bäume, bis zum Horizont, bis zur Rampe, wo der Kaiser, aus Berlin kommend, niedersächsischen Boden betrat, ehe er samt Gefolge aufs Jagdschloss zufuhr. Die Pflanzung der einzelnen Bäume geht auf Spender und Stifterinnen zurück. Ihre Namen sind auf kleinen Bronzetäfelchen aufgeführt, dazu Jahreszahlen, mitunter kurze Sinnsprüche, Rätselworte und das Datum der Setzung. Auch Asche von lieben Verstorbenen könnte hier ausgestreut sein, den Lebenden und den Toten zum Gedächtnis.

Beim Entlanggehen in der Allee vernimmt man in diesen Tagen das Herabfallen der Früchte. Sie stecken in einer Art Mahagonifurnier. Manchmal streifen Scharen von Kindern mit Säcken und Plastiktüten hier durch und sammeln. Sofern man sie nicht den Schweinen im Gehege vorwirft, werden sie auch heute noch zu Ketten aufgezogen oder mit Zahnstochern gespickt, dass sie manchmal wie bauchige Sumoringer, manchmal wie Stachelschweine aussehen.

Auf jeden Fall landen sie Monate später, glanzlos und faltig geworden, in Kompost und Hausmüll.

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