Rauschen

Wovon reden Sie, wenn Sie über Felswände, Bergdohlen und Arnika reden?

Welchen Sinn hat es, von Felswänden, Bergdohlen und Arnika zu sprechen, wenn diese darin nicht mitreden? Dichtung – was sonst? – gibt den Dingen und Geschöpfen ein Mitspracherecht. Das geschieht nicht von allein, sondern immer in Gesellschaft, im Beisein unsichtbarer Ortsgeister und Bergwesen. Es geschieht anscheinend von langer Hand und nie unvorbereitet.

Manchmal, wenn niemand außer einem selbst mitredet, bedeutet das, hier gibt es nichts zu sagen. Man muss sich in Geduld und in Schweigen fassen, bis etwas erwacht oder zu Bewusstsein kommt. Darüber können Tage, können Menschenleben verstreichen.

 

Beim Gehen durchs Gebirge, beim Wandern durch einen stürmischen Bergwald fragt man sich, wer oder was rauscht hier? Sind es die Bäume, ist es der Wind? Sind es Bäche, irgendwo in der Tiefe versteckt?

Und wenn es der Wald ist, wie viel oder wie wenig trägt der Wind dazu bei?

Und wenn es das Wasser ist, was sagen die Felswände, die Brocken im Bachbett, was sagen die Kiesel dazu?

In der Höhe, die weit über den Wandrer hinausgeht, sind es die Nadeln, das Geäst und die Blätter, deren Rauschen man hört oder ist es bloß der Wind, der in Wirbeln und Quirlen im Luftraum so sonderbare Töne erzeugt?

Wasser, das in Wasser herabstürzt, rauscht von alleine.

Aber der Wind, möchte man meinen, braucht Ohren, an denen er zerrt, Hörgänge, in denen er wirbelt und tost.

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