Frage mich was das ist … (Ausschnitt)

img_0534.jpgFrage mich was das ist, Alchemist… 
Ungeborenes Kind, das schon im Sandkasten spielt.
Königinnen und Könige unter Figuren.
Felder aus weißem Samt wechseln mit schwarzem Sand ab.
Der helle aus dem Meer, der dunkle vulkanischen Ursprungs.
Salz im einen, im anderen Asche. 
Auf weitläufiger Fläche sind zwei streitende Heere zu sehen,
weiß ist das eine, die andren sind rot.
Sie haben Stellung bezogen und bekriegen einander, Zug um Zug.
Figuren sind Tiere, in heraldischen Gebärden versteinert.
Unter den Steinen auch Bäume: Zypressen, Oleander, Stechpalmen, einige mit Kronen, die kugelförmig zurechtgestutzt sind.
Alle in Töpfen, unregelmäßig geordnet, rücken schrittweise vor und zurück.  Der Turm ein gedrungener Hochofen. Aus seiner Öffnung schlägt Rauch und Glutschein hervor. Läufer eilen mit gespaltenem Helm übers Feld. Pferde springen ohne Hufe und Leib und wirbeln mit ihren Mähnen Asche und Sand auf. Unter den Bauern: jeder hat seine eigene Art. Zwar sieht einer wie der andere aus, aber jeder trägt statt des Kopfes ein Ei auf den Schultern, in dem sich sein eigentliches Wesen verbirgt. Keiner von ihnen gibt sich geschlagen, ehe nicht die andere Seite erreicht ist. Dort lassen sie aus ihren Häuptern geflügelte Schlangen, Schildkröten, Raubvögel, Basilisken und anderes schlüpfen.
Einige sind sie wie kleine Sonnen, die im Horizont aufgehen.
Schildkröten kehren als fliegende Festungen zurück und bedrohen den feindlichen König, der hoch oben in seinem Pfauenthron sitzt. 
Im Umschwung der Lichtjahre, der diesen Weltkreis aus Steinen und Feldern, fabelhaften Figuren, Tieren, Pflanzen und Sinnbildern wie einen mikrokosmischen Zodiak dreht, verschwinden welche aus der roten und weißen Besatzung. Ebenso plötzlich treten neue Mannschaften auf. Supernoven zerplatzen am Himmel. Mal bricht Wasser, mal Feuer aus der Tiefe hervor und verschafft Triumph und Bedrängnis. Dann wächst das Getümmel: ab und zu knallt es im Feld und in kleinen Wölkchen steigt Dampf aus Schwefel- und Quecksilber auf. Bloß lokale Scharmützel. Aber der Feldzug geht weiter. Und wenn das Kind dann zur Welt kommt, ist alles schon da, die Rassel, ein schwerfällig brummender Kreisel, das Klötzchenarrangement der Bildschirme, ein Ballonglasbehälter, aus dem sein Ärmchen das bunte Fruchtgummi holt. Alles, von langer langer Hand aufs Spielfeld gestellt, wartet darauf, geführt und gezogen, gespielt und erinnert zu werden.

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