Lindener Berg. Vogelstimmen

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Der Lindener Berg ist die höchste natürliche Erhebung weit und breit. Es gibt höhere Gebäude und hohe Lichtmasten in der Ferne, eine Rauchwolke, die aus einem Dampfkraftwerk aufsteigt. Auch die Wolken, die im Abendlicht über den Himmel treiben, sind viel höher. Dennoch setzt beim Besteigen des Lindener Bergs, vielleicht 89 Meter über dem Meeresspiegel, immer wieder ein Gefühl der Erhabenheit ein. Der umgebende Raum geht unmerklich in Weltraum über. Jetzt singen schwarze Vögel darin, in den Bergbäumen versteckt. Wenn sie einzeln singen, loten sie die Tiefe des Raums aus. Aber sie singen einander auch zu. Der menschliche Lauscher staunt, wie weit diese Vögel hören können, wie weit ihre Stimmbänder tragen. Es sind enorme Entfernungen, aus denen sie Botschaften empfangen, einander zurufen und Antworten geben.

Da ist die eine oder andere Singdrossel im Selbstgespräch, manche im Dialog, alle zusammen ergeben einen symphonischen Zusammenhang.

Sie sind viel auf Wanderschaft. Mit ihren Stimmen stecken sie kein Revier ab, sondern gehen in die Tiefe, in der sie sich gerade aufhalten.

Wenn sie zu mehreren sind, unterhalten sie sich und teilen auf melodische Weise ihr Ermessen mit. Das kommunizieren sie. Das ergibt den großen Chor, in dem sie singen, eine unendliche Veranstaltung, die aufwallt und abebbt. In ihrem Gesang beherrschen sie alles, vom Schweigen über den Monolog bis zu den verschnörkeltsten Plaudereien. Ja, sie sind ungeheuer schwatzhaft, sie sind absolut verschwiegen.

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