über den Wolfsberg

Aus hohlem Wald bellt ein schwarzer Hund.

Nicht erschrecken.

Wölfe streichen hier immer noch in Sage und Reklame umher.

Sonst ist es am Anfang des Wolfsbergs auch ohne Heulen sehr still.

Unter der Bergmasse bricht Wasser hervor. Es kommt aus den zahlreichen Wolken, die sich in den Bäumen des Berges fangen und abregnen.

Dort, wo man in den Berg einsteigt, hat es im Laufe der Erdgeschichte einen tiefen Graben gerissen.

Bergwerke, von denen nur noch die Maulwurfshügel übrig geblieben sind, im Gang der Jahrzehnte und Jahrhunderte mit Bäumen überwachsen.

Wolfsberg.

Wie der Name schon sagt.

Es geht an tiefen Gruben, Wolfsgruben und ehemaligen Stollen entlang. Sie haben sich aus einer nicht mehr zu enträtselnden Vergangenheit erhalten.

Die Bezeichnung auch, also Wolfsberg, der Name.

Am Fuß eine Wolfsquelle. Das Wasser hat man in eine Fassung aus Steinen und vorgegossenen Röhren gebracht. Es wirbelt erst steil, dann ganz flach durch anrainendes Land, das mal für Raps, mal für Roggen genutzt wird.

Der Wolfsberg ist dem Süllberg benachbart.

Von diesem und einer schwierigen Erstbegehung mit Rad war schon einmal die Rede (wegvonwegen, 24. Februar 2008)

Beide Erhebungen sind bis oben bewaldet und ermangeln daher eines wirklichen Gipfels.

Es gibt, wenn überhaupt, nur Holzwirtschaftswege.

Sie haben tief ausgefahrene Rinnen, keinerlei Ausgang und verlieren sich unmerklich im Dickicht aus Unterholz.

Die Kuppe der Berge verschwindet im Wald zwischen stehenden, liegenden, gesägten und umgefallenen Bäumen. Dazwischen ein flaches Tal, eine Niederung. Sie trennt Süllberg und Wolfsberg. Den Talausgang schmückt ein flügelschlagendes Windkraftrad. Es schaut beim Drehen in Gegenwindrichtung und schlägt mit den Flügeln, anders als Vögel, anders als Pfauen, mit starkem und wuchtendem Rauschen.

Heute kommt die Luft aus Nordost und bringt geballte weiße Wolken über den blauen Himmel. Die Sonne trifft mit vollem Licht. Die Strahlen hüllen Wolfsberg und Süllberg ein. Vorübergehend sind sie nicht mehr zu  sehen.

Wenn die Helligkeit ungehindert auf die Berge fällt, heben sie sich wie zwei Brüste empor. Am Ende des Einschnitts, also am Ende des Ausschnitts dreht sich der Windradpropeller wie eine Brosche im Decolleté.
Doch da ist nicht nur eine Drehung im Wind, sondern ganz viele. Es finden unzählige Drehungen statt. Sie erinnern an Löwenzahnfrüchte oder Zahnräder, die in einer Luftströmung wirbeln, oder an Seifenblasen in einer Sturmhose.

Von Norden her zieht ein großes blühendes Rapsfeld auf und breitet sich aus bis an den Rand der Wälder, die Süllberg und Wolfsberg umgeben. Das Gelb des Rapses ist heute am Ausgehen und wird bald ganz verschwunden sein. Aber es gibt über Tag noch immer ungeheuere Insektenschwärme, die mit Fliegen und Ameisen, Käfern, Libellen und Schaben das verblühende Erdreich bedecken.
Prozessionen, Kolonnen davon.
Große und kleine Fliegen betätigen sich, manche mit schimmerndem Nacken, andere vielgliedrig und mit einklappbaren Antennen versehen.

Auf einmal liegt die Anhöhe des Wolfsberges hinter uns.
Wo sind wir jetzt?
Wie sieht der Zwischenraum aus zwischen Wolfsberg und Süll?

Aus dem Horizont, den das Süntelgebirge unterläuft, dunkel und fern, steigt flüchtig ein großes Insekt auf mit scheppernden Eingeweiden. Ein verirrter Hubschrauber. Er zieht eine Schneise durch die mit Vogelstimmen angefüllte Stille. Niemand erschrickt,  ein wenig Erstaunen, dann ist es wieder vorbei. Sie kehren wieder zurück, die sachten Geräusche, sie bedecken das Feld.

Vom Waldrand blickt man weit ringsum ins Land.
Ganz in der Ferne, mitten im Sommer ein Schneeberg, die Kalihalde westlich von Wunstorf.
Nach Süden Reste und Andeutungen einer bizarren Skyline, vielleicht Magdeburg, vielleicht Wolfsburg oder auch schon Hannover.

Am Ende einer Wildbachauswaschung, wohin man mühsam gelangt, quer durch Gestrüpp und Geröll: hier sind unbedeutende Sandsteinfelsen gestapelt.

Weiter abwärts, dem nächsten Dorf zu, führt ein Weg durchs Feld.

Eine Frau ruft einem Hund hinterher. Er heißt Dschákomo, hat schwarze Flecken und ein weißes Fell. Zutraulich und nicht verwandt mit dem Tier, das vorhin aus dem hohlen Wald gerufen hat.

Aha, wir sind wohlbehalten zurück.

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