Ferdinand

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Es kommt nicht häufig,

aber doch gelegentlich:

Ferdinand kaut seinen Daumen.

Er käme nie auf den Gedanken, Zahnstocher oder Nägel zu kauen, Fingernägel, Zehennägel oder so, würde das vielleicht sogar hassen.

Aber den Daumen kaut er, indem er die rechte Hand in Höhe des Mundes führt, spreizt den Daumen seitlich ab und kaut mit den Zähnen auf der Spitze des Daumens.

Es geht nicht um den Geschmack, nicht um ein bestimmtes dabei entstehende Geräusch oder Gefühl.

Und dennoch stillt diese Betätigung ein diffuses Bedürfnis, das in den Händen schwirrt, vielleicht sogar den ganzen Menschen Ferdinand füllt und im Leib umhergeistert.

Es wird über den Daumen aus dem ganzen Körper abgeführt, gleichsam herausgesogen und -gezogen.

Ferdinand kaut die Unruhe aus sich heraus, wie den Pfefferminzgeschmack aus einem Stück Wrigleys’.

Und schaut dabei zu.

Der Geschmack, dieses fürchterlich künstliche Ingredienz, ist nicht eigentlich wohlschmeckend, ebenso wenig wie das Schwirren und Zittern, das im Leib herumspukt.

Aber Ferdinand es geht sowieso eher um das Gummi, das durchs Kauen schmiegsam und weich wird.

Das macht ihn stiller.

Das behält er lange,

viel länger im Mund und schiebt es zwischen den Zahnreihen hin und her:

stattlich herumstehende Zähne, die ihre Arbeit längst schon verrichtet haben und nun anderen kaubaren Dingen nachhängen.

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