Digitalbild / Retinalbild

Beim Ablichten eines Gegenstandes, einer Person, einer Landschaft setzt sich das Bild davon in der Kamera schlagartig aus unzähligen Farbpunkten zusammen. Das Sichtbare häuft sich von selbst. Es durchläuft Fokusse, Linsensysteme, Raster und Siebe, wie im Siebdruck die Flüssigfarbe ein feinmaschiges Gewebe durchläuft. Dann schlägt es sich als Bild auf einer Oberfläche nieder.

Dieser Vorgang wiederholt sich. Zunächst bleibt es auf der extrem ausgedehnten, aber stark zusammengefalteten Oberfläche einer winzigen Speicherkarte haften, festgehalten, wie gebannt durch eine Vielzahl minimaler geladener Teilchen. Diese irgendwie elektrischen oder magnetischen Partikel sind unsichtbar und müssen es bleiben, damit das Bild aus ihnen ins Sichtbare entlassen, auf Abruf visualisiert werden kann.

Immer wieder dasselbe: jenseits der Netze, Siebe und Gewebe ordnen sich die Farbpunkte neu an und ergeben zur Gänze einen Eindruck von der Welt, die sie Bruchteile von Sekunden zuvor zurückgelassen haben.

Aufgerastert und durchgesiebt schimmert es auf im Display, schießt von dort durch den Tunnel, den die Pupille eröffnet, schlägt dann mit Wucht im Augenhintergrund auf die Retina oder Netzhaut. Deren Sieb-, Raster- oder Netzstruktur kommt dem zerlegten und neu zusammengesetzten Bild der Wirklichkeit entgegen. Im Übergang zu den Sehnerven, die das Sichtbare und Gesehene ans Gehirn weiterleiten, stehen wie Pixel verteilt unzählige Zäpfchen und Stäbchen. Sie nehmen die Lichtimpulse und Farbpunkte auf und speisen sie ohne Umschweife in Kanäle ein, die ins Zerebrum weiterleiten. Die dortige Bildverarbeitungsstätte hat außerdem mit Wahrnehmen, mit Hirnkurven und Schwingungen zu tun. Hier befinden sich organische LED-Installationen, in denen, als eine Art Aufleuchten, das Abbilden und Merken, sowie zum Beispiel das Verfilmen des Bildes erfolgt.

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