Traumreste, Restträume

Manchmal in der Nacht, beim Aufwachen aus einem plastischen und dramatischen Traum, stellt sich der Wunsch ein, Szenen zu erinnern, in der Vorstellung zu wiederholen. Oft bizarre Vorkommnisse, wie eine planmäßig erfindende Phantasie sie niemals ausdenken kann. Aber dann dreht sich der Schläfer auf die andere Seite, von Traumregionen gerufen, die sich im Weiterschlaf auftun, wie Gebirge, Kämme und Kessel bei Fernsicht und Föhn.

Im Verlauf des darauf folgenden Tages können sich einzelne Szenen wieder einstellen. Beim Öffnen einer Schublade mit Besteck wird an den Reisenden erinnert, der einen großen Koffer über eine Schalterbank schiebt und in große Verlegenheit kommt. Der Koffer stößt auf halbem Weg an und rutscht auf die Füße, weil die Öffnung vermauert ist, weil es den Schalter gar nicht mehr gibt. Oder beim Zahlen an der Kasse, beim Wühlen zwischen den Münzen wird der bedauernswerte Familienvater präsent: an der Grenze hat er seine letzte Barschaft für Naschwerk ausgegeben. Nun läuft er vergeblich von Stand zu Stand, um die fällige Gebühr für den Grenzübergang entrichten zu können. Traumreste, die einen anfliegen, wie der säuerliche Geruch aus der Brotfabrik bei Bornum, wenn dort gelüftet wird und der Wind plötzlich dreht.

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