Mohr (Traum)

gegen 9 Uhr

Das kleine Hotel garni in Bahnhofsnähe: ein livrierter Mohr läuft dort die Treppen mit ihren plüschgepolsterten Stufen auf und ab. Ein kultivierter, ein freundlicher und dabei preiswerter Ort. Es gibt zwei, höchstens drei Zimmer. Sie sind üppig eingerichtet, wie herrschaftliche Gemächer aus der Biedermeier- oder Rokokozeit: Brokattapeten, an der Decke Stuck und Blattgoldverzierungen. Von draußen dringt kein Lärm herein, obwohl die Zimmer mit großen geschwungenen Fenstern zur Straße hinausgehen. Als würden drinnen alle Geräusche von Kissen und gepolsterten Wänden verschluckt. Eine kleine Oase inmitten der Stadt. Von draußen wirkt die Fassade erstaunlich schmal, wie die eines Grachtenhauses in Amsterdam. Zumindest eines der über einander liegenden Zimmer ist gerade bewohnt. Eine Frau sitzt vor einem frei stehenden Spiegel und macht Morgentoilette. Im geschmackvollen Speisesalon, den man von der Straße her durch Kristallglas betritt, sieht man im Hintergrund das Frühstücksbüfett. Eben geht der Mohr durch den Raum und balanciert lächelnd ein Tablett mit Staubtuch und Gläsern.

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